Home

Sortiment

Bilder, Infos, Pressestimmen

Das Herz der Stadt. Chemnitz und
sein Neues Rathaus
Herausgegeben vom Stadtarchiv Chemnitz

LESEPROBE

Der Zweckbestimmung als zentraler Verwaltungssitz der prosperierenden Großstadt entspricht die anspruchsvolle bildkünstlerische Ausgestaltung des Rathauses. Bereits am Außenbau kündigt sich ein vielfältiges ikonographisches Programm in Form von baugebundener Kunst – vorwiegend Plastiken und Reliefs – an. Es wird im Inneren fortgeführt und gesteigert, wobei hier die Malerei zum wichtigsten Gestaltungsmittel wird. Die zur öffentlichen Nutzung bestimmten Räume von Vestibül, Treppenhaus und Wandelhalle im 2. Obergeschoss des Ostflügels weisen einen künstlerisch hochwertigen, inhaltlich wohl durchdachten Zyklus von Deckenmalereien auf. Die Kartons gehen auf Paul Perks (1879–1939) zurück, dem auch die Ausführung übertragen wurde. Der Künstler, der seinen hauptsächlichen Wirkungskreis damals in Dresden hatte, vollzieht in der bildkünstlerischen Ausgestaltung des Chemnitzer Rathausneubaus den bereits in der Wahl der architektonischen Mittel spürbaren Spagat zwischen Motiven des Historismus und solchen des Jugendstils mit. Vor allem der künstlerische Duktus der Malerei sowie die Auffassung der Darstellungen weisen auf das Ideal der Zeit nach 1900 hin, während beispielsweise die Dekoration der Stichkappen in der Wandelhalle in ihrer kleinteiligen Prächtigkeit noch stark an historistische Innenraumfassungen erinnert. Insofern vermischen sich an dieser Stelle sowohl konservative wie auch progressive Tendenzen zu einem Gesamtbild von beeindruckender Geschlossenheit.
Das Vestibül präsentiert sich als wohlproportionierte Halle, deren Weiträumigkeit durch die zwanglose Kommunikation mit den anschließenden Fluren bzw. dem Haupttreppenhaus noch gesteigert wird. Eine eingestellte zweigeschossige Arkadenarchitektur sorgt an der Ost-, West- und Nordseite für eine abwechslungsreiche Wandgliederung. Ein flach gespanntes Tonnengewölbe überfängt den Raum. Das Hauptaugenmerk der künstlerischen Gestaltung galt der unteren Zone der südlichen Schmalseite, die durch eine Brunnenanlage mit Bronzeplastiken von Richard König (Radebeul) geschmückt ist. Mit den in honiggelbem Kalkstein leuchtenden Architekturgliedern korrespondiert die in gebrochenen Weißtönen gehaltene Fassung von Wand- und Deckenflächen. Ihre dekorative Bemalung ist durch einen sparsamen Einsatz von Grau- und Blautönen in unterschiedlicher Dichte und Nuancierung bestimmt.

(Stefan Thiele)

Oben: "Offizielle preisgekrönte Festkarte zur Rathausweihe 1911" von Hanna Klose-Greger, Schlossbergmuseum Chemnitz


Darunter: Allegorie des Gartenbaus, Detail von der ausgemalten Decke der Wandelhalle im Neuen Rathaus Chemnitz


Gegenüber: Bau des Neuen Rathauses, Aufsetzen der Turmspitze, originale Negativglasplatte im Stadtarchiv Chemnitz


Unten links: Ausgemaltes Gewölbe in der Wandelhalle des Neuen Rathauses, mittig der Gott Hermes als Verkörperung des Handels

Unten rechts: Silberner Weinkühler, Geschenk zur Rathausweihe 1911, Schloßbergmuseum Chemnitz

   
   

zurück
Anfragen zum Buch