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Des Himmels Fundgrube
Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Schloßbergmuseum Chemnitz 2012/13

Eine imaginäre Reise in das mittelalterliche Chemnitz würde uns im Jahre 1412 den neu gebauten, hoch aufragenden gotischen Chor der städtischen Hauptkirche St. Jakobi mit prächtigen Altären, anrührenden Tafelgemälden, goldenen Monstranzen, prachtvollen Bibeln und reich bestickten Gewändern zeigen. Die Schätze von St. Jakobi, ebenso wie die des altehrwürdigen Benediktinerklosters auf dem heutigen Schlossberg oder die des fast in Vergessenheit geratenen Franziskanerklosters waren Ausgang des 15. Jahrhunderts der Stolz der Menschen in Chemnitz. Sie demonstrierten trotz der schwierigen Zeiten weithin wahrnehmbar den Leistungswillen und die wirtschaftliche Potenz einer Stadt. Das Staunen der Menschen von damals ist heute noch nachvollziehbar, wenn man im ehemaligen Benediktinerkloster, jenem Gebäudekomplex, der heute das Schloßbergmuseum der Kunstsammlungen Chemnitz beherbergt, die wundervollen gotischen Skulpturen betrachtet. Diese umfangreichste Sammlung mittelalterlicher Holzschnitzkunst in Sachsen ist das Ergebnis eines Gemeinschaftsprojektes der Kunstsammlungen Chemnitz und der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, welches die repräsentativen Bestände des Schloßbergmuseums und der Dresdner Skulpturensammlung zusammenführt. Darunter befinden sich einzigartige Werke wie das Heilige Grab aus der St. Jakobikirche zu Chemnitz, oder die einfühlsamen Arbeiten eines Meisters H.W. und Peter Breuers.
Seit die Ausstellung eröffnet wurde, stellen ihre Besucher immer wieder die Frage: Wie war es möglich, dass gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Künstler in Sachsen innerhalb weniger Jahrzehnte das nachholten, ja übertrafen, wofür andere Teile des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" fast ein halbes Jahrtausend gebraucht hatten? Die Ausstellung "Des Himmels Fundgrube" wurde konzipiert, um im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsprojektes erste Antworten auf diese äußerst wichtige Frage zu geben. Ein wichtiges Ergebnis der Untersuchungen ist: Die Fülle an hochwertigem künstlerischen Schaffen in Chemnitz, im Umland und in sächsischen Landen war nicht nur durch die überreichen Einkünfte aus den Fundgruben des Erzgebirges, den Silberminen, möglich geworden. Sie war darüber hinaus die bewusste Reaktion des Adels, der Stadtbewohner und zum Teil äußerst wohlhabender Dorfgemeinden auf die vielfältigen Gefahren und Bedrohungen, die die Menschen im 15. Jahrhundert heimsuchten. Sie war der weithin sichtbare Ausdruck des Selbstbewusstseins wohlhabender Schichten, die nicht zuletzt im interkulturellen Austausch mit den benachbarten Regionen in Europa, mit Böhmen, Polen, Frankreich oder Burgund standen.

Über 40 Wissenschaftler - Kunsthistoriker, Theologen, Historiker, Museologen, Bibliothekare und Archivare - aus der Bundesrepublik, aus Frankreich, Polen und Tschechien haben unter Federführung des Schloßbergmuseums und der Lehrstühle für Europäische Geschichte an der TU Chemnitz sowie für Sächsische Landesgeschichte an der Universität Leipzig an Ausstellung und Katalog "Des Himmels Fundgrube" mitgewirkt.

Ingrid Mössinger
Generaldirektorin der Kunstsammlungen

Oben: Engel mit Grabtuch, Skuptur am Heiligen Grab in Chemnitz, um 1485–1520, Schlossbergmuseum Chemnitz



Darunter: Schwert für anderthalb Hand, Mitteleuropa, Mitte 15. Jahrhundert, Privatbesitz


Gegenüber: Ziborium, Kupfer, vergoldet, 2. Hälfte 15. Jahrhundert, Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden.


Unten links: Trinkhorn (so genannte Greifenklaue) Büffelhorn, Silber, Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden.


Unten rechts: Der Hl. Hieronymus, Marmorskulptur, Burgund, um 1450,
Stiftskirche Chemnitz-Ebersdorf.


   
   

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